am 15. Oktober

MGV Jubiläumskonzert - Neue Schlossgartenhalle

Festbuch

100 Jahre MGV

Sommerfeste

Was wären die Gesangvereine ohne ihre Sommerfeste? Zum einen ist es eine willkommene Gelegenheit, um in einer zwanglosen und entspannten Runde einige Lieder vorzutragen, zum anderen bietet es eingeladenen Chören aus dem Ort oder Nachbargemeinden die Möglichkeit, sich vorzustellen und sich in Ruhe mit den Sängern anderer Chöre zu unterhalten. Und nicht zuletzt kann, wenn alles glatt läuft und das Wetter nicht einen Strich durch die Rechnung macht, der Vereinskasse dabei geholfen werden, sich die nötigen Reserven zu verschaffen, um z.B. den Dirigenten bezahlen zu können.

Nachdem der junge Verein in den ersten Jahren seines Bestehens bereits einige Gartenfeste benachbarter Gesangvereine besucht hat, ist es an der Zeit ein eigenes kleines Sommerfest zu veranstalten. Allerdings hat man 1923, dem Jahr der Hyperinflation in Deutschland, sich dann doch entschlossen, davon Abstand zu nehmen. „Mit Rücksicht auf die schlechte Zeit wurde von Festlichkeiten im Verein abgesehen.“

1924 ist es dann doch endlich soweit und all jene Vereine werden eingeladen, bei denen man bereits als Gastchor aufgetreten ist. „An einem schönen Sonntag im September veranstaltete der Verein ein wohlgelungenes Gartenfest, dem so die Vereine Harmonie Derdingen, Sängerbund Gölshausen, Liederkranz Kürnbach, Liederkranz Zaisenhausen und der Gesangverein Bahnbrücken beiwohnten.“

Der Austragungsort der Gartenfeste ist entweder die damalige Festwiese an der Bahnhofstraße oder der Garten des Gasthauses zum Adler. Dort wird auch ab 1928 das Angebot für die Festbesucher mit einem Schießstand und Preisschießen erweitert. Außerdem organisiert der Verein einen Losverkauf und abends spielt zum Abschluss im Adlersaal noch die „Banghardsche Musik aus Sickingen“ zum Tanz auf.

Leider spielt das Wetter nicht immer so mit, wie man sich das als Veranstalter eines Sommerfests gerne wünscht. So auch am 18. August 1929, wenngleich alles sich dann doch noch zu einem guten Ende wendet. „Auch dieses Fest drohte der Wettergott mit - finsterer Miene zu vereiteln, allein ein deutscher Sänger lässt sich nicht so leicht abschrecken und so war es auch hier. Am Nachmittag entwickelte sich ein buntes Treiben bei schönstem Sonnenschein auf der Festwiese an der Bahnhofstraße, dass sogar ein recht schöner - nanzieller Erfolg dem Verein noch beschieden war.“

Im Oktober 1929 beginnt mit dem New Yorker Börsenkrach die Weltwirtschaftskrise. Die Arbeitslosigkeit steigt von Monat zu Monat und die Bauern bekommen von ihren Abnehmern immer weniger Geld für ihre Erzeugnisse. Dass dies auch für ein kleines Vereinsfest nicht ohne Folgen bleibt, ist leider bittere Tatsache. „Das am 31. August 1930 stattfindende Gartenfest im Adlergarten hatte einen recht guten Zuspruch von Seiten der Einwohnerschaft zu verzeichnen; allein der finanzielle Erfolg war weniger gut, was ganz deutlich die allgemein schlechte wirtschaftliche Lage kennzeichnete.“

Ein Jahr später entschließt man sich sogar, ganz auf Veranstaltungen zu verzichten. „Das Jahr 1931 stand unter dem Zeichen der allgemeinen wirtschaftlichen Notlage, weniger für den Verein selbst, als vielmehr dahingehend, dass man die Schwere der Zeit insofern berücksichtigte, indem man von größeren öffentlichen Veranstaltungen absah.“

Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten gibt es auch weitreichende Einschnitte und Veränderungen im Dorf- und Vereinsleben. Zu den Vereinsfesten werden nicht nur befreundete Gesangvereine eingeladen; auch die NSDAP und SA stehen auf der Einladungsliste. Nationale Feste und Feiern beanspruchen die Vereinsmitglieder und es bleibt wenig Zeit und Geld für Vereinsfeste der althergebrachten Art. „Am 6. August 1933 unternahm der Verein ein Fest im Adlergarten, wobei zum Ausdruck kam, dass die Einwohnerschaft der Feste müde ist, weil die Gründung des neuen Reiches Feste und Veranstaltungen mit sich brachte, die den Einzelnen in finanzieller Hinsicht wie in anderer Hinsicht zu sehr in Anspruch nahmen.“

Über das erste Sommerfest nach der Wiederaufnahme der Vereinstätigkeiten im Jahr 1947 wird 1952 berichtet. Am 31. August findet beim Sportplatz ein Gartenfest statt. FC und TV Flehingen tragen mit Programmpunkten zur kurzweiligen Unterhaltung bei. Die beiden katholischen Kirchenchöre aus Flehingen und Sickingen und der evangelische Kirchenchor sind ebenso vertreten, wie Gastchöre aus Zaisenhausen, Gölshausen und Derdingen.

Zwei Jahre später, im Sommer 1954, wird aus dem Gartenfest beim Sportplatz ein Erntefest: „Ein Unwetter zerstörte in der Nacht von Samstag auf Sonntag das Zelt und es musste schnell notdürftig repariert werden. Dann aber hellte sich der Himmel auf. Am Nachmittag war ein Festzug durch den Ort, voran Kinder und Jugendliche mit dem Erntekranz. Anschließend Musik mit der Feuerwehrkapelle. Frau Greiner nahm beim Festzug die Kleinen in ihre Obhut. Von den Mitgliedern wurden Kaffee und Kuchen gestiftet.“

Hatte man 1954 noch einigermaßen Glück mit dem Wetter, so musste das Erntefest 1957 wegen schlechten Wetters ganz abgesagt werden.

Ab 1958 bis in die frühen 60er Jahre findet das Sommerfest in der Sickinger Dreschhalle statt und die Veranstaltung wird gemeinsam mit der Feuerwehrkapelle im jährlichen Wechsel, des für den Wirtschaftsbetrieb verantwortlichen Vereins, durchgeführt.

Der Verlauf des Sommerfests 1958 ist ein gutes Beispiel für die sich am Ende der 50er Jahre immer mehr ausbreitende Konkurrenz der dörflichen Feste: Das Fernsehen!

Denn die Anzahl der Besucher am Nachmittag des 29. Juni entsprach bei weitem nicht den Erwartungen der Veranstalter. Erst nach dem Ende der Übertragung des Endspiels der Fußball WM 1958 zwischen Brasilien und Schweden (5:2) in den frühen Abendstunden füllte sich die Festhalle.

Peter Lingenfelser

き Kipfmüller Medien